Zeit(ver)lust

31 Mai

Diejenigen, die in den folgenden Zeilen Sinn, Spiel, Spannung oder Schokolade zu finden gedenken,
dürfen sich umgehend in den Feierabend begeben. Nichts dergleichen wird passieren. Die folgende Sendung ist lediglich
das Resultat einer Kombination folgender, verheerender Faktoren:

- Ich sitze im Flieger, habe gerade mein x-tes Buch fertig gelesen, mein Reisetagebuch unglückicherweise im Backpack
verstaut; dafür aber mein Netbook dabei.

- Die hintere, rechte Ecke meines Gehirn verursacht einen pulsierenden Schmerz, den ich ziemlich sicher als Verbaldruck
identifizieren kann.

- Unser Blog verfolgt mich bereits in meinen Träumen. Es schaut mich mit großen, traurigen Augen an und beklagt spürbaren
Liebesentzug.

Das Blog ist aber längst nicht der einzige Vertreter auf der Anklagebank. Freunde und Familie müssen sich seit Wochen mit gelegentlichen „Mir geht’s super, bin glücklich, gesund und gerade in xxx“ zufrieden geben. Die leeren Versprechen „in den nächsten Tagen ganz bestimmt mal wieder anzurufen“ quittierte meine Mama zuletzt mit der Anweisung mich bitte wieder etwas seltener zu melden, sie käme vor lauter Anrufen, Briefen, Postkarten und E-Mails von mir gar nicht mehr zum Arbeiten, Aufräumen oder Essen machen. Die konstruktive Ironie/liebevolle Zynik wird vor allem an der letzten, vermeintlich ausfallenden Tätigkeit sehr deutlich: Würde der Tisch zu Hause durch meine Schuld seltener oder dürftiger gedeckt, ließe mich das mein fortwährend hungriger Bruder mit Sicherheit umgehend wissen.

Euer Ehren, wenn ich kurz etwas zu meiner Verteidigung sagen dürfte?

In den letzten vier Wochen beispielsweise habe ich fast jeden der 28 Tage an einem neuen Ort, oder unter signifikantem Einfluß neuer Eindrücken verbracht. Nach Abzug von Schlaf- und Mahlzeit, sowie gelegentlichen Hygienepausen blieben im Durchschnitt keine 2 Stunden für anderweitige Beschäftgungen wie Kommunikation mit der Außenwelt oder Berichterstattung übrig. Ein kleines mathematisches Beispiel: In den vergangenen vier Tagen sind wir drei Mal geflogen, haben insgesamt 12 Stunden in der Luft und 2.5 Tage in Flughäfen verbracht. Aber Euer Ehren, dies wird sich nun ändern.

Wir haben beschlossen uns mehr Zeit fürs Nichtstun zu nehmen. Ort des Geschehens soll unser kleines Paradies Pulau Tioman sein. Die Dauer des Experiments wurde auf eine bis vier Wochen geschätzt.
Folgende Ziele wurden vereinbart:

- lesen

- schlafen

- schwimmen, schnorcheln, tauchen (?!)

- essen, trinken

- schreiben.

Also, ihr hört von uns.

Wie Kühe unter Palmen und Hühner am Strand – planlos durch Lombok

31 Mai

„Ok, wie viel Zeit haben wir noch, bis wir wieder nach Bali zurück müssen?“ – Das war die alles entscheidene Frage, die wir uns nach 7 Nächten auf Gili Trawangan gestellt haben. Sie wurde schnell mit „genug“ beantwortet. Denn Gili T ist klein, sehr klein und zu diesem Zeitpunkt hatten wir das Gefühl, schon alles gesehen, jeden Inselbewohner, Barkeeper und Touristen kennengelernt, jedes Korallenriff beschnorchelt und jede Bar besucht zu haben. Selbst die von uns so oft angestrebte und immer wieder aufgrund anderer Prioritäten (Sonnenbaden, Beachballen, Kartenspielen, Lesen oder in der Mengongbar abhängen standen ganz oben auf der Liste unserer Must-Dos) verschobene Inselumrundung zu Fuß hatten wir schon hinter uns gebracht.
Es war an der Zeit, etwas Neues zu erleben.

Mit einem One-way Ticket nach Lombok haben wir uns mit unseren 7 Sachen in Richtung Neuland aufgemacht.
Nach 45 Minuten Boots- und einer Stunde Minivanfahrt durch den Norden Lomboks wurden wir am Anfang der Hauptstraße von Sengiggi abgesetzt. Warum Sengiggi? Ein kurzer Blick in den Lonely Planet und wir wussten: hier gibt’s die günstigsten Mopeds und die schönsten Strände.
Was nun? Klar, ab in die Travelagency, die am Straßenrand wie für uns gerufen auftauchte. Hungrig und mit Dollarnoten in den Augen kamen die beiden Besitzer auf uns zu und versuchten uns ein paar „really cheap“ Tickets nach Kuta Lombok anzudrehen. Als sie erfuhren, dass wir zunächst in Sengiggi bleiben wollten, zückten sie ein Fotoalbum mit „really cheap“ Hotels. Doch „really cheap“ entpuppte sich schnell als „really crap“ und weit weg vom Schuss und so gingen wir weiter, mit Backpack auf dem Rücken, ab in die Hitze. Keine 10 Meter weiter das erste Homestay. Der Preis stimmte, also schlugen wir für eine Nacht im „Sonja Homestay“ unser Zelt auf.
Ein intensiver Spaziergang durch die Stadt verriet uns: der Lonely Planet-Autor, der den Sengiggi-Part verfasst hatte, musste über ein anderes Sengiggi geschrieben haben, denn so „stunning“ und „most beautiful“ war das nicht, was wir hier vorfanden. Nichtsdestotrotz – es gab tolle Wellen, das Wetter war ganz passabel und wir haben Lorenzo, unseren australischen Papa mit italienischen Wurzeln kennengelernt. Ein wunderbarer Charakter mit viel Herz, Temperament und jeder Menge Humor.

Also: Was nun? Nächster Morgen, neues Glück. Mit Moped und den wichtigsten Sachen in einem Backpack haben wir uns weiter gewagt, ins Abenteuer Lombok.

Nach einem kurzen Landkarten-Check ging es on the road weiter bis in den Süden nach Kuta. Getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ haben wir einige Stops eingelegt. Und so wurde beispielsweise eine kurze Kaffeepause in einem kleinen Straßenhüttchen zu einem etwas längeren Aufenthalt und wir zur Hauptattraktion des ganzen Dorfes. Wie ein Laubfeuer hat es sich herumgesprochen und kurzerhand waren wir umgeben von Einheimischen, die versuchten, uns zu erklären, welche Route die beste sei, wie „beautiful“ wir wären und welche Köstlichkeiten sich in den Papiertütchen auf der Ladentheke befanden.

Auch fahrend auf dem Moped haben wir alle Aufmerksamkeit auf uns gezogen. Hupen, lachende Gesichter und viele Zurufe wie „Hey, how are you?“ und  „Where are you going?“ begleiteten unsere vierstündige Fahrt in den Süden.


Mit Instinkt, weiblicher Intuition und antrainiertem Orientierungssinn fuhren wir ein – Kuta Lombok. Ein nettes, kleines Touristädtchen, eingenommen in der Hochsaison von Surfern aus aller Welt (vor allem aus Australien). Doch unser eigentliches Ziel lag eine Bucht weiter: Tanjung Aan.
Dank „dem Kleinen“ (Barkeeper in unserer Bungalow-Anlage auf Gili T) hatten wir das Glück, ein Stückchen Erde zu finden, das es so auf der Welt nur noch selten gibt.
In ein paar Jahren wird es hier anders aussehen – da sind sich alle Einheimischen einig. „It´t all about the money. But if I have enough money I will buy all the land so that it remains like that!“ Zee arbeitete 8 Jahre auf Gili T und ist nun Barkeeper in der Sama-Sama Bar in Tanjung Aan.


Zwei Nächte haben wir im Sama-Sama gewohnt (oder von uns auch „Heidis Homestay“ genannt – Kühe im Vorgarten und Hühner am Strand sind hier kein seltener Anblick), direkt am Meer, das vor allem gegen Abend seine ganze Kraft zeigte: meterhohe Wellen preschten in der Ferne an die steilen Felsen der Bucht.



Auch am Tag bewies die Natur ihre Stärke: Die ursprüngliche Schönheit der Landschaft hat uns schlichtweg umgehauen. Keine Schotterpiste war uns zu steinig, kein Loch zu tief und keine Steigung zu hoch. Wir mussten einfach jeden noch so kleinen Winkel entdecken. Und erneut haben wir begriffen: Reiseführer sind eine gute Orientierungshilfe, doch wer von gewohnten Wegen abweicht kann das wahre Herz eines Landes kennen und lieben lernen. Kurzum: Pläne sind dazu da, um sie zu verwerfen.

Stunning Beauty Java

4 Mai

„Java? Hm, das ist doch eine Insel in Indonesien…?“ – Das war so ziemlich alles was wir über unseren letzten Stop wussten.

Seht selbst, womit uns diese Insel überrascht hat:

1.Tag: Dieng Plateau und Borobudur

3,5 Stunden dauert die Fahrt im Minivan zum Plateau.


Unterwegs noch ein Posing für die Schulklassen:


Erster Stop: „Colour Lake“ (Schwefelsee)


Zweiter Stop: Sikidang Krater

Dritter Stop: Arjuna temple


3,5 Stunden Rueckreise im Minivan

Vierter Stop: Borobudur (größter Buddhatempel der Welt)

2.Tag: Fahrt zum Vulkan Gunung Bromo

Nach 13 Stunden Fahrt im Minivan: Ankunft auf biberkalten 2300 Höhenmetern. Geschlafen wurde in Klamotten.


3.30 Uhr aufwachen, Trekk zum Viewpoint auf knapp 3000 Metern zum Sonnenaufgang. Seht selbst:


Eva bezwingt alle Trekkings des Tages mit professioneller Footwear:


Spannende Fahrt im Jeep: Knüppel am rechten Fleck


Nach der Jeepfahrt zum Bromo wurde wieder getrekkt – hoch zum Krater.

Zum Frühstück gabs frische Durian:

Wunderschoene Tage und atemberaubende Aussichten haben wir auf Java erlebt. Mittlerweile sind wir ueber Bali auf den Gili Islands (Trawangan) angekommen. Zum Glueck haben wir hier noch ca. 2 Wochen Zeit, denn wie die Einheimischen sagen: It’s easy to come but hard to leave… So true!!!

Die letzten 4 Wochen in 8 Fragen – März

21 Apr

Frage Nr. 1: Auf welche drei Dinge kann ich am wenigsten verzichten?

Eva
- Wasser (eiskalt und in rauen Mengen)
- Malariaprophylaxe
- Nackenkissen (macht jede noch so harte Bank zur erträglichen Schlafstätte)

Jogi
- Luftdruckausgleichsohrstöpsel
- viel Flüssigkeit
- Pulli und Kompressionsstrümpfe für Busfahrten

Frage Nr. 2: Auf welche drei Dinge kann ich locker verzichten?

Eva
- mp3-Player
- Stoff an meinem Körper
- Batikmafia

Jogi
- lackierte Fußnägel
- Make-Up
- heiße Dusche

Frage Nr. 3: Welches wäre die größte Schwierigkeit, die mich während der Reise treffen könnte?

Eva
Emotional:
Wenn die hier in Yogyakarta überschwabbende Touristenabzocke sich durch ganz Indonesien zieht. Mich daran zu gewönnen könnte unter Umständen eine meiner größten Herausforderungen werden.

Matriell:
Ich muss mich wiederholen – wenn mir meine Papiere abhanden kommen

Jogi:
Emotional:
Aus irgendwelchen Gründen früher abreisen zu müssen als geplant

Materiell:
Papiere weg

Frage Nr. 4: Was war bis jetzt mein glüklichster Moment?

Eva
Die unbeschreiblich wohltuhende innere Ruhe, die mich auf Pulau Tioman gepackt hat. Von einem Tag auf den anderen wurde alles in mir entspannter und zufriedener. Mit Abstand einer der bemerkenswertesten Änderungen, die ich seit Beginn der Reise an mir feststellen konnte.

Jogi
Auf Tioman nach einer schweißtreibenden Trekkingtour mit Locals am Strand im Sand sitzen und den Sonnenuntergang geniessen.

Frage Nr. 5: Was war mein bisher schlimmster Moment?

Eva
Das Erdbeben in Sumatra vor einigen Tagen. Zu wissen, dass man a) nur durch einen blöden Zufall nicht wie ursprünglch geplant mitten im Bebengebiet gelandet ist und b) nichts für die Freunde tun kann, die vor Ort sind.

Jogi
Das Erdbeben während eines Chats mit Freunden in Penang mitzuerleben.

Frage Nr. 6: Was war mein bisher größtes Learning?

Eva
Bei mir bleiben. Klingt komisch, macht aber Sinn.

Jogi
Nach dem ersten Tag auf Java ist klar: I love Malaysia und werde zurückkehren.

Frage Nr. 7: Welche drei Dinge vermisse ich gerade am meisten?

Eva
- meine Karo, deren Hochzeit immer näher rückt und ich sie nicht live bei den Vorbereitungen begleiten kann :(
- meinen Bruder, der sich gerade durch den Studiumsplatzbewerbungsdschungel schlägt…
- hohe Schuhe (nicht lachen)
- ein vierter Punkt mag mir gestattet sein: MALAYSIA!

Jogi
- TV gucken
- Mosquitofreie Zone
- alle in Malaysia liebgewonnenen Menschen

Frage Nr. 8: Auf welchen Tag freue ich mich heute am meisten?

Eva
Auf übermorgen, wenn wir in die Ostjavatische (-javaistische?, javische?) Natur abtauchen. Ich glaube das wird ziemlich, ziemlich wunderschön…

Jogi
Meinen 30. Geburtstag, den wir auf Tioman in einer Strandbar feiern werden.

Der Entscheidungsakt

21 Apr

Wir haben keinen Plan. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Genau wie Gottes Wege sind auch unsere Entscheidungs- und Planungsgewohnheiten unergründlich. Die meiste Zeit wissen wir nicht wann wir von wo nach wo wie reisen werden. Wir haben uns bewusst gegen eine feste Route, vorgebuchte Flüge und Zeitbegrenzungen entschieden. Stattdessen folgen wir dem „Wer war wo und kann was empfehlen?“-Ansatz, der sich als äußerst erfolgreich bewährt hat.

Vorteil: Wir überraschen uns immer wieder selbst und erfreuen uns durchgehend an dem Gefühl frei und ungebunden zu sein.

Nachteil: Bis jetzt haben wir keinen gefunden.

Hier ein kleines Beispiel einer unserer typischen Feldtaktiken (-taktiki?), als es um die Eroberung Malaysias ging.

Protagonisten:
Azlan – Der Hostelpapa
Fendi – Der Local
Backpacker 1 – Der Checker
Backpacker 2 – Der Wortkarge
Backpacker 3 – Der komatöse Statist
Wir – Eva und Jogi

Nach 3 Tagen in Penang wollen wir uns die Teeplantagen und grünen Hügel der Cameron Highlands anschauen. Zusammen mit Gästen, Staff und Freunden sitzen wir auf der Hostelterasse und bemühen unseren Laptop.

Azlan: „Was macht ihr da?“
Wir: „Wir buchen ein Busticket zu den Cameron Highlands.“
Azlan: „Oh nein, macht das nicht, ist gerade Regenzeit da. Das lohnt sich überhaupt nicht.“
Wir: „Ok, was wäre denn die Alternative?“
Fendi: „Geht nach Sumatra, es ist atemberaubend!“
Backpacker 1: „Stimme ich voll zu. Ich war damals in Medan und am Lake Toba – so schön. Und der Dschungel erst!“
Azlan: „Ausserdem es ist billig und ruhig!“
Fendi: „Oh ja, bucht am besten über Firefly, die fliegen morgen für 60 RM.“

Ok, Entscheidung ist gefallen. Wir buchen.

Ups, kurz vor der Flugbestätigung fällt uns ein, dass wir keine Malariaprophylaxe (PROFIlaxe?) haben. Sumatra wird auf später verschoben. Ein neues Ziel muss her.

Backpacker 2: „Geht auf die Philippinnen. Wunderschönes Land.“

Ok, Entscheidung gefallen. Wir buchen.

Ups, kurzfristige Flüge über Air Asia sind fast unerschwinglich. Ein neues Ziel muss her.

Azlan: „Aaaah, geht auf die Perhentian Islands! Der absolute Wahnsinn. Freunde von mir betreiben dort eine Bungalowanlage. Wartet, ich rufe sie gleich mal an und sage sie sollen euch was freihalten.“
Backpacker 1: „Grandiose Idee! Wir sind erst vor einigen Tagen zurückgekommen, haben dort zusammen mit Azlan seinen Freunden geholfen das neue Restaurant fertigzubauen. Ich glaube die offizielle Eröffnung ist die Tage irgendwann… “
Azlan: „Perfekt, habe gerade angerufen. Sie erwarten euch. Ausserdem ist in drei Tagen Restauranteröffnung. Ach Mensch, da will ich eigentlich dabei sein. Vielleicht komme ich einfach noch einmal vorbei und schaue mir das Resultat unserer Arbeit live an…“

Yo, Entscheidung gefallen, gebucht, gefahren, genosssen. So sehen unsere Planungen meistens aus. Zunächst keine Ahnung, dann jede Menge Tipps und Meinungen und abschließend ein neues Ziel, dass eigentlich nie eingeplant war.

Mittlerweile sind wir in Jakarta, verfassen diesen Beitrag im Zug nach Yogyakarta und haben genau vier Wochen, um über Java nach Bali, Lombok und die Gili Islands wieder zurück nach Kuala Lumpur zu kommen. Eigentlich wollten wir auf die Philippinnen. Aber eigentlich ist der kleine Bruder von Whocares….

Ode an eine Wunderwaffe

12 Apr

Gebratener Reis, Nudelsuppe, Omlette, rotes und grünes Curry, Amok und Padthai – zum ersten Mal und vielleicht auch zum zweiten, dritten und zehnten Mal gegessen seid ihr ein wahres Wunderwerk der Geschmackskünste. Doch was, wenn das kleinste Reiskorn, das winzigste Stückchen Karotte oder die dünnste Nudel das Fass zum Überlaufen bringt und den Genuss zum Überdruss verwandelt? Was, wenn das zuletzt verzehrte Ei zu lange in der Sonne lag und den Magen nicht streichelt, sondern foltert?

Dann ist es an der Zeit, sich an eine Wunderwaffe der Natur zu erinnern, die bereits vor dem Traveller-Leben ganz oben auf der Speisekarte stand.
Als Armenessen lange verpöhnt, feiert sie heute in vielen verschiedenen Variationen ihr Comeback.

Bodenständig aufgewachsen, gut behütet in einer robusten Schale und im reifen Alter gold-gelb gefärbt hat sie die besonderen inneren Werte, die den Magen wieder friedlich stimmen.

In schweren Zeiten, in denen vor allem hart um die Toilette gekämpft wurde, stand sie uns tapfer zur Seite und wehrte sich vehement gegen die hartnäckigen und fiesen Angreifer. Ob im Ofen gebacken, zerstampft oder einfach nur gekocht – mit dieser Waffe haben wir defintiv gesiegt! Danke Kartoffel!

Menschen

12 Apr

17. Januar 2012, es ist der zweite volle Tag unserer Reise. Wir sitzen in einem Bangkoker Fischrestaurant und unterhalten uns mit Kevin, einem schottischen Ingenieur. Kevin arbeitet für einen großen Ölkonzer und reist von Plattform zu Plattform, rund um die Welt. Mit 17 ist er das erste mal auf Reisen gegangen. Danach war der Berufswunsch schnell klar: „Er muss mich um die Welt bringen.“ In wie vielen Ländern er schon gelebt hat, weiss Kevin gar nicht mehr. „Auf jeden Fall noch nicht genug.“ Was ihm an seinem Leben am meisten gefällt scheint hingegen glasklar: „Menschen. Du lernst so viele unterschiedliche Charaktere, Schicksale, Geschichten und Lebensweisen kennen. Und jeder einzelne, egal ob klug oder dumm, langweilig oder faszinierend, jeder hinterlässt eine Spur in deinem Leben. Sie sind wie kleine Kerben in deiner Baumrinde, manchmal Herzen und manchmal Kreuze. Ohne sie wäre alles irgendwie sinnlos.“

Bevor sich unsere Wege trennen wünscht uns Kevin viel Spaß und jede Menge toller Erfahungen. „Jeden Tag werdet ihr durchschnittlich sieben Menschen treffen, das wird toll!“ Und er sollte Recht behalten. Sowohl in der Anzahl der neuen Gesichter, wie auch in ihrer Bedeutung. Das beste am Reisen sind die Menschen. Egal ob schräg, lustig, oberflächlich, inspirierend und langweilig irgendwie vergisst man keinen von ihnen (abgesehen von den Namen, die einem leider viel schneller abhanden kommen). Ohne euch groß mit Lebensgeschichten langweilen zu wollen, hier eine klitzekleine Auswahl unserer Lieblingspersönlichkeiten – jeweils in einem Zitat komprimiert.

„Ich bin seit 5 Wochen in Asien unterwegs. Seitdem esse ich nur Spagetti oder Burger. Ich habe Angst von dem asiatischen Zeugs nicht satt zu werden.“

„Ja, ich war in Cambodia. Angkor Wat habe ich geskippt. Ist mir zu touristisch. Und ausserdem: Tempel ist Tempel, und davon habe ich schon genug gesehen.“

„Nach meiner ersten längeren Reise habe ich es zu Hause gehasst. Fünf Monate hat es gedauert bis ich endlich genug Geld zusammen hatte, um wieder zu verschwinden. Freunde und Familie fehlen mir zwar, und eine Beziehung kann man so auch nicht wirklich aufrechterhalten. Trotzdem: Ich liebe mein Leben. Ich würde nichts ändern wollen.“

„Ich hatte keinen Pulli also gab sie mir ihren. Ich glaube die Leute sind ziemlich erstaunt, wenn sie sehen mit wie wenig ich auskomme. In meinem Rucksack ist eine Hose, ein paar T-Shirts, Zahnbürste, Zahnpasta und zwei Sets Unterwäsche – alles andere ist Schwachsinn. In drei Wochen muss ich wieder zurück, um mein Studium zu beenden. Ich studiere Wirtschaftsinformatik in London.“

„Die vergangenen 20 Jahre gab es einfach andere Prioritäten als Reisen. Aber nun sind unsere beiden aus dem Haus, studieren im Ausland und brauchen uns nicht mehr. Jetzt können auch wir wieder alles machen worauf wir Lust haben, z.B. reisen. Letzten Monat waren wir in Singapur. Durch einen blöden Zufall mussten wir eine Nacht ohne Unterkunft überbrücken und haben im Bahnhof auf unseren Rucksäcken geschlafen. Mann, ich hab mich wieder wie 18 gefühlt: frei, wild und pleite!“

„Ich bin Schreiner. Ich wollte keinen Job, der mich an einen bestimmten Ort bindet. Zurzeit arbeite ich in Bangkok und überlege mein Haus in England zu verkaufen. Zurückkehren werde ich so schnell eh nicht wieder. Es gibt einfach zu viele Orte an denen ich noch nicht war.“

„Ich hasse es allein zu reisen. Aber es ist besser als gar nicht zu reisen.“

„Wo kommst du her? Aus Deutschland? Oh ja, kenn ich! Wo genau? Frankfurt? Ahhh, toller Flughafen!!“

„Ich bin 45 Jahre alt, habe 69 Länder gesehen und spreche 11 Sprachen. Ich habe in allen erdenklichen Jobs gearbeitet und nun bin ich müde. Ich will eine Frau, eine Familie und ein normales Leben. Aber es will nicht klappen. Ich glaube, irgendwann verlernt man das normale Leben.“

„Vor drei Jahren bin ich von meinem Balkon gefallen und habe mir den Ruecken gebrochen. Die Aerzte sagten mir, ich wuerde nie wieder laufen koennen. Dies hier ist mein erster Backpackerurlaub auf Kruecken. Es ist verflucht schwer! Stellt euch vor auf diesen Kruecken die kleinen Fischerboote zu besteigen! Aber ich kann es schaffen. Ich habe das Schlimmste in meinem Leben bereits hinter mir, was soll mir jetzt noch passieren?“

„Heidelberg – dort habe ich für einige Monate Freunde besucht, bevor ich zum Arbeiten wieder nach Koh Lanta gegangen bin. Eine wirklich sehr schöne Stadt. Schaut mal, hier sind ein paar Bilder von damals.“

„Mein Vater und ich führen dieses Hotel. Ich habe kein eigenes Zimmer und schlafe schon seit Monaten auf dieser Couch hier neben dem Eingang. Aber es macht mir nichts aus – ich bin glücklich.“

Vielen Dank an jeden der bisher 588 und auf die nächten 490!!

Geflasht

28 Mar

KL, Malaysia. Wir sind geflasht wie zwei Taschenlampen.

Next: Pulau Penang & Cameron Highlands. Dann bringen wir wieder etwas Licht ins Dunkel.

It’s all about the money!?

25 Mar

Oder: Sind wir nicht alle ein bisschen schwäbisch?

Viele fragen sich bestimmt: wie um Himmelswillen kommen die beiden mit ihrem Ersparten über die Runden?!
Fakt ist: Nein, wie haben weder im Lotto gewonnen, noch eine Bank ausgeraubt. Mit viel Fleiß, Disziplin und Ehrgeiz haben wir dieses EINE Ziel verfolgt und konnten ein paar Groschen auf unsere zunächst eingestaubten Konten ansparen. Doch ein paar Groschen sind kein Freipass für verschwenderische Verhaltensweisen. Im Gegenteil: zu Sparfüchsen sind wir geworden, versuchen, zusammenzuhalten, was zusammenzuhalten geht.

Das bedeutet aber nicht, dass wir uns nichts gönnen! Nach einigen Nächten in einfachen 10-Bett-Zimmern in Gesellschaft von schnarchenden und krawallierenden Zimmergenossen ist das Erholungsbedürfnis so groß, dass als nächstes ein Bungalow in strandnähe gebucht wird. Selbst diese Art von Behausung kostet hier nicht die Welt. Zuletzt haben wir 10 Euro für ein Bungalow bezahlt – ein wirklich guter Deal!
Aber es war auch ein hartumkämpfter Deal: vom Boot sicher ans Pier von Koh Samui gebracht, haben wir uns ins Tourinest Lamai-Beach aufgemacht, fast zusammenbrechend unter der Last unserer liebgewonnen Wohnung-to-Go auf dem Rücken, um Unterschlupf zu suchen. Wir konnten der Versuchung der zahlreichen Übernachtungsangebote der mindestens 100 bereits sehnsüchtig wartenden Inselbewohner widerstehen, die sich am Pier wie Geier auf die Frischankömmlinge stürzten. Denn: der einfachste Weg ist meist nicht der Günstigste!

Wenn es zu Speis & Trank kommt, sind wir schon etwas anspruchsvoller. Energietanken gilt als höchstes Gebot und diese Energiezufuhr sollte möglichst frei von Keimen und Bakterien sein. Dennoch kommen wir oft in die Versuchung, uns für nicht mal einen Euro ein Padthai von einem der Strassenküchen zu gönnen. Manchmal mags der Magen, manchmal nicht.
Egal, das Budget gleichen wir mit solchen Massnahmen wieder auf Normallevel aus.

Als wahre Geldfresser haben sich die Überlandreisen entpuppt. Hier mal ein Sleeperbus, da mal eine Fähre. Das läppert sich, doch diese Ausgaben sind kaum zu drücken. Weltenbummler, wie wir es sind, wollen möglichst viel über Land bestreiten. Kein anderer Weg eröffnet so viele Einrücke und Sehenswertes.
Aber als ausgewiefte Sparnasen versuchen wir auch für die Transportmittel den bestmöglichen Preis rauszuholen. Travel-Agency-Hopping könnte man es treffend beschreiben. Preise vergleichen, verhandeln, bis die Ohren bluten und nicht locker lassen. So haben wir schon den einen oder anderen Euro sparen können.

Selten aber unverzichtbar sind teure Tourenpakete. Sei es eine Trekking-Tour durch den Dschungel oder eine Inselhopping Bootstour – nur als Komplettpaket ein wahrer Genuss, denn einen erfahrenen Guide zur Seite zu haben bedeutet: beinahe 100%ige Überlebenschance und Nähkästchenplaudereien.
Unser Tipp: Preise verschiedener Agenturen vergleichen und bei gutem Draht zum Hostelpersonal nach einem Spezialpreis und Discount fragen. Manchmal bieten die Hostelmamas und -papas ihren Schützlingen einen fairen und billigeren Preis, als so manche hochgelobte Agentur.

Trotz allem Hin- und Hergespare haben wir eines nie vergessen: was wir wirklich brauchen, können wir mit keinem noch so hartumkämpften Geld kaufen: die Zeit zum Reisen.

Zwangspausen

25 Mar

Dieser Text wurde bereits vor einer Woche geschrieben. Einer zeitnahen Veröffentlichung kam etwas dazwischen: 5 grandios entspannende Tage auf Koh fucking amazing wonderful Lanta! Mittlerweile sind wir in Hat Yai, um morgen unseren Flug nach Malaysia zu kriegen. Nichtsdestotrotz wollten wir euch die unten geschilderten Einblicke in unsere letzten Wochen nicht vorenthalten. Enjoy :)

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Argh, zum Zähne ausreissen und Haare ausbeissen!

Als der liebe Gott die Geduld verteilt hat, war ich wohl grad auf dem Klo. Ich hasse es zu warten, unnötig Zeit zu verplempern und hilflos mitansehen zu müssen, wie mein (Zeit)Plan in sich zusammenfällt. Ein absolut unakzeptabler Zustand! Blöd nur, dass einen das Leben selten nach den persönlichen Vorlieben fragt.

Wir sitzen fest. In Krabi Town. Mein Magen hat sich kuzerhand zu einem Streik entschieden und diesen mittlerweile zu einer theritoriumübergreifenden Revolution ausgebaut. Bis sich die Gemüter beruhigt haben ist an aufrechten Gang vorerst nicht zu denken.

Zwangspausen wie diese gehören zu meinen absoluten Dislikes beim Reisen. Wenn der Plan steht, die Vorfreue wächst und das Ziel bereits zum Greifen nah scheint – dann ist eine versagende Physis das absolut letzte auf meiner Wunschliste.

Aber einmal von vorn.
Am Sonntag sind wir ganze neun Wochen unterwegs. Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha und wieder Thailand. Unfassbar wie schnell die Zeit vorbeigeht. Unsere zweite Thailandeinreise Anfang März führte uns direkt in den Süden. Nach 8 Wochen Rumgehetze kamen uns die Inseln wie gerufen. Endlich ein wenig abschalten und die hohe Taktung der letzten Wochen auf ein Tagesminimum von Bungalow – Strand – Bungalow runterschrauben.

Koh Phangan war ein Traum. Wir haben uns bewußt gegen die touristischen Hotspots entschieden und unser Lager in einer kleinen, malerischen Bucht im Südosten der Inseln aufgeschlagen. Keine Straßen, keine Autos, keine Mopeds, keine Strandverkäufer, kein Supermarkt, kein ATM, niente, nada, nichts. Ein paar Mal am Tag fuhr ein Boot zur nächsten, „zivilisierten“ Bucht, das wars. Ein Traum!

Dann Koh Samui. Hm… Die Entscheidung für Koh Samui fiel relativ spontan. Auf dem Weg zum Taxistand (wir wollten eigentlch weiter in den Westen von Koh Phangan) liefen wir am Pier vorbei, von dem aus in 15 Minuten die Fähre auf die Nachbarinseln abfahren würde. Zufall? Schicksal!, dachten wir uns und kauften zwei Tickets. Im Nachhinein wären ein paar Tage mehr auf Koh Phangan definitiv die bessere Entscheidung gewesen.
Koh Samui ist schön, bezaubert mit süßen Stränden, hohen Wasserfällen und palmenübersähten Hügeln. Großartige Attitüden, die leider komplett vom teufelsgetriebenen Tourismus niedergetrampelt werden. Was der Ballermann kann, hat Koh Samui bereits im kleinen Finger.
Nach vier Tagen und einem verzweifelten Umzug in eine vermeintlich ruhigere Gegend fiel uns der Abschied leider viel zu leicht.

Auf zur Westküste, Krabi, Koh Phi Phi und Koh Lanta. Bereits am Morgen der Abfahrt meldete der Bauch sein erstes Veto und so ist aus dem kurzen Stopover mittlerweile ein verlängertes Wochenende mit bevorzugt horizontaler Lagerung geworden.

Nun liege ich hier mit dem Toastbrot auf der einen und den Elektrolyten auf der anderen Bettseite. Der Ventilator versucht die Zimmertemperatur vergebens von „Grill“ auf „Umluft“ herunterzukühlen und ich kann nicht aufhören daran zu denken, wo wir heute eigentlich schon sein sollten und wie sehr wir dem Zeitplan (Gott wie spießig) hinterherhinken.

Schon lustig solche Zwangspausen. Egal wie sehr ich mich über ihre fragwürdige Daseinberechtigung ärgere, ändern wird sich nichts. Es ist, als bekäme ich bei jeder dieser ungeplanten Stops eine nachgelagerte Geduldsschulung: akzeptieren, entspannen und abwarten. Keine leichte Übung, aber sicherlich eine der interessantesten, die einem das Reisen beibringt.

PS: Meinen Zeitplan habe ich übrigens in einen Papierflieger umfunktioniert und über Krabis Dächern segeln lassen.

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